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Daihuang ©Erich Stöger

Allgemeine Sicherheitsempfehlungen bei der Anwendung chinesischer Arzneien

Die Chinesische Arzneitherapie ist eine relativ sichere Therapie. Seit ihrem Beginn haben Sicherheitsaspekte, wie die sorgsame Beobachtung des Patienten hinsichtlich erwünschter und unerwünschter Reaktionen, eine bedeutende Rolle gespielt. Dadurch waren zumindest die Nebenwirkungen erkennbar, die in einem engeren zeitlichen Zusammenhang mit der Arzneimitteleinnahme standen. Heute müssen wir darüber hinaus auch Risiken im Blick haben, die erst durch moderne Methoden erfasst werden.

Voraussetzung für die Sicherheit ist eine gute Ausbildung der/des Therapeutin/en in der Chinesischen Medizin und eine gesicherte Arzneiqualität.

 

Mögliche Nebenwirkungen

Leichtere Nebenwirkungen, wie gastrointestinale Beschwerden, Kopfschmerzen, Kreislauf­reaktionen oder verschiedene Befindensstörungen, kommen durchaus öfter vor und lassen sich meist durch eine Anpassung der Rezeptur korrigieren. Ernste Arzneimittelreaktionen sind selten, aber nicht auszuschließen. Ihnen muss eine besondere Aufmerksamkeit gelten, um sie nach Möglichkeit zu vermeiden oder in einem Frühstadium zu erfassen. 

Nicht ungewöhnlich sind Allergien unterschiedlicher Schweregrade. Ursächlich kommen so gut wie alle Arzneien dafür in Betracht, bei Blütendrogen und Arzneien tierischen Ursprungs ist die Wahrscheinlichkeit dafür eher gegeben. Bei leichten Formen, wie z.B. bloßem Juckreiz, kann man versuchen, einzelne Komponenten einer Rezeptur schrittweise zu eliminieren, um das Allergen zu ermitteln und zu vermeiden. 

 

Leberreaktionen

Die wichtigste zu beachtende Nebenwirkung ist eine mögliche Leberreaktion. Bei dieser unterscheidet man einen intrinsischen und einen idiosynkratischen Typ. Ersterer ist vorhersehbar, weil er ab einer bestimmten Dosis bei allen Menschen auftritt. Bei dem idiosynkratischen Typ fällt im Regelfall keine Leberschädlichkeit auf. Nur bei bestimmten Personen kommt es zur Reaktion, die dann auch schwer verlaufen kann. Diese Reaktion ist kaum dosisabhängig und nicht vorhersehbar. Ursächlich dafür kann eine immunologische Reaktion oder eine Stoffwechselbesonderheit bestimmter Personen sein. Bei den Leberreaktionen durch pflanzliche Arzneimittel haben wir es meist mit dem idiosynkratischen Typ zu tun. Um darauf vorbereitet zu sein, ist es wichtig zu wissen, welche Arzneien mit einer möglichen Leberreaktion assoziiert sind.

 

Interaktionen

Eine weitere hervorstechende Risikokonstellation sind mögliche Interaktionen. Traditionell waren Interaktionen zwischen verschiedenen Arzneidrogen bekannt. Es wurden Regeln dafür aufgestellt, welche Kombinationen von Arzneien zu vermeiden sind. Eine größere Bedeutung haben heute mögliche Interaktionen zwischen traditionellen Arzneidrogen und chemisch definierten Arzneimitteln erlangt. Viele der heutigen Patienten sind polymorbid und haben eine mitunter umfangreiche konventionelle Medikation. Hier ist es wichtig zu wissen, wo besondere Risiken vorliegen und wo ein Risiko weniger wahrscheinlich ist.

 

Im Fall einer beobachteten Nebenwirkung

empfehlen wir in Einklang mit den TCM-Fachgesellschaften, den Fall an das CTCA zu melden, damit ein möglicher Zusammenhang mit der chinesischen Medizin abgeklärt und im Interesse aller das Wissen um mögliche Risiken bereichert werden kann. So können alle mit Chinesischer Arzneitherapie befassten Professionen daraus Nutzen ziehen. Wichtig ist dabei eine Angabe sämtlicher wesentlicher Details, wofür wir einen Meldebogen entwickelt haben, der heruntergeladen werden kann. Die Meldung wird kollegial und vertraulich behandelt.

 

Arzneiqualität

Nicht selten wird in den Medien über Sicherheitsmängel chinesische Arzneiprodukte, wie Verunreinigungen, bewusste Verfälschungen o.ä. berichtet oder es werden jahrzehntealte Fälle wieder aufgegriffen. Diese Risiken sind für die deutschsprachigen Länder, für die sich das CTCA zuständig fühlt, schwerlich relevant bzw. lassen sich zuverlässig vermeiden. Voraussetzung ist der Bezug aus legalen Bezugsquellen, d.h. aus Apotheken. Diese sind verpflichtet, nur Arzneien abzugeben, die auf Identität, Schwermetall- und Pestizidgehalt, ggfs. auch auf Aflatoxine, nach den gültigen europäischen Arzneibuchvorschriften geprüft sind. Folgende Kriterien können bei der Auswahl einer Apotheke hilfreich sein:

  • Die Apotheke sollte Erfahrung mit chinesischen Arzneien haben und speziell geschulte Fachkräfte vorhalten.
  • Die Apotheke wird von TCM-Ärzten/Therapeuten empfohlen.
  • Bei besonders preisgünstigen Lieferanten sollte man misstrauisch sein.
  • Es sollte möglich sein, in der Apotheke nach Prüfzertifikaten zu fragen und diese einzusehen.

 

Unbedingt abzuraten ist

  • davon, chinesische Arzneien aus dem Internet zu beziehen, soweit es sich nicht um die o.g. legalen Quellen handelt.
  • davon, chinesische Arzneien von Kräuterläden oder dergl. zu beziehen, die nicht den Bestimmungen bzgl. Qualitätskontrollen unterliegen. 
  • von der Verwendung chinesischer Fertigarzneimittel. Diese sind in der EU nicht legal, weil sie hier keine Zulassung haben, und ihre Qualität kann Mängel aufweisen, die für uns nicht kontrollierbar sind. Einige Mittel werden als „Nahrungsergänzungsmittel“ vertrieben, auch hier ist erhebliches Misstrauen angebracht, weil es sich de facto um Arzneimittel handelt, die aber die Bestimmungen, die für Arzneimittel gelten, umgehen.

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